Ein Leipziger Avanturier

Stacks Image 1287
Mr. Meesons Testament
mit einer Bio- und Bibliographie
2011
nicht mehr lieferbar
347 S., illustriert, 8°
32 € zzgl. Versand- und Verpackungskosten



Inhaltsübersicht

Vorwort, Inhaltsverzeichnis …
S. 011-234 Mr. Messons Testament
S. 235-236 Einige Worte zu Henry Rider Haggard
S. 237-275 Mehr als eine Bibliographie (deutsche Titel, mit farbigen Abbildungen)
S. 276-316 Englische Originaltitel und Ausgaben (mit farbigen Abbildungen)
S. 316-331 Filmographie (mit farbigen Abbildungen)
S. 332-341 Eine Biographie
S. 342 Abbildungsverzeichnis
S. 343-347 Nachwort (übersetzte Vorwort der englischen Ausgabe)




Kurzinhalt


Dieser bereits 1888 entstandene Roman H. Rider Haggards wird von Detlef Münch Dortmund zu den schwachen Romanen Haggards gezählt.
Natürlich, diese Robinsonade ohne Kampf und epischen Hintergrund ist nicht typisch für den kriegerischen Stil der meisten von Haggards Abenteuerromanen.
Trotzdem hat dieser Roman meiner Meinung nach seine besonderen Qualitäten. Haggard verpackt in die Abenteuerhandlung zwar wie gewohnt eine zarte, romantische Liebesgeschichte, aber auch das rührend tragische Schicksal der Schwester der Heldin berührt den Leser.
Das Hauptanliegen dieses Romans aber scheint mir der sozialkritische Aspekt. Haggard stellt die brutale, skrupellose Ausbeutung und Unterdrückung der arbeitenden Klasse an den Pranger. Mr. Meeson, der „klassische“ Ausbeuter in seiner unersättlichen Raffgier und despotischen Arroganz wird lebensecht gezeichnet. Er scheut sich auch nicht, zu unehrenhaften Mitteln zur Gewinnmaximierung zu greifen.
Haggard zeigt auch die macht= und rechtlosen Ausgebeuteten in ihrem ohnmächtigen Zorn, nur durch bedingungslose Speichelleckerei und Unterwürfigkeit ihre Anstellung behauptend. Aus schlechter Laune heraus läuft Mr. Meeson wie tollwütig durch die Arbeitsräume seines Verlages und setzt bei dieser Gelegenheit, in maßlosem Zorn und um sich abzureagieren, elf, darunter auch langjährige alte und treue Mitarbeiter, wegen geringfügiger Kleinigkeiten auf die Straße. Offen zeigt Mr. Meeson seine Verachtung der Mitarbeiter. Er behandelt sie einfach als Sklaven. Kompromisslos geht Haggard mit diesen menschenverachtenden hemmungslosen Unternehmern ins Gericht und prangert deren soziale Kälte an.
Haggard hatte, als er King Salomons Mines seinem Verleger anbot, ebenfalls die Wahl zwischen einer einmaligen Pauschale und einem Vertrag mit Tantiemen. Er hatte sich schon für die Pauschale entschieden, als er auf Anraten eines Vorzimmerschreibers für Tantiemen entschied, sehr zum Ärger des Verlegers, aber zum Glück für Haggard, der damit den Grundstein für sein späteres Vermögen legte.
Jedenfalls ein Spiegelbild der Moral des damaligen Unternehmertums, die heute, durch weltweit agierende, fast allmächtige Konzerne, wieder ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt wird.
So wenig abenteuerlich ist aber dieser Roman gar nicht. Haggards Erzählergabe gelingt es, aus einem Schiffbruch ein ergreifendes Drama zu machen. Die Schilderung der Vorgänge auf dem sinkenden Schiff, die Tragödien, die sich dabei abspielen, spannende Einzelheiten, die man so noch nie gelesen hat, zwingen den Leser in seinen Bann. Menschliche Größe im Angesicht des sicheren Todes sowie schonungs- und skrupellose Brutalität im Kampf ums Überleben, wird meisterhaft und berührend geschildert.
Haggard gelingt es, auch ohne brutale und blutrünstige Szenen, den Leser spannend zu unterhalten. Die Robinsonade auf Kerguelenland, ohne langweilige Belehrungen, aber mit Kritik an dem bis zur Selbstzerstörung führenden Säufertum der Seeleute, die originelle Idee der Testamentsaufzeichnung. Wie schreibt man, ohne Papier und Tinte oder anderem Schreibmaterial, ein dauerhaftes Testament, welches allen nur denkbaren Widrigkeiten standhält. Die Rettung vor fast sicherem Tode auf dem unwirtlichen Kerguelenland, alles interessant und bewegend geschildert.
Der Reporterrummel bei Augustas Ankunft in Birmingham gleicht heutigen Gepflogenheiten aufs Haar. Auch die Berichte aus „erster Hand“, nämlich aus den Fingern gesogen, nehmen vieles der heutigen „Berichterstattung“ vorweg.
Im letzten Teil des Romans lernen wir, leider ziemlich langatmig, die englische Justiz und deren kompliziertes Prozedere kennen. Jedoch streut Haggard, zur Erheiterung und zum Schmunzeln, gelegentlich Szenen britischen Humors dazwischen.
Alles in Allem, ein Gesellschaftsroman mit kurzer Robinsonade und schärferer Gesellschaftskritik, gewürzt mit einer Prise Liebe, also einigen unverzichtbaren Zutaten, welche sich auch in Kolportageromanen finden.

WM